Paberžė

Von Riga aus bin ich zunächst zwei Tage lang einer Landstraße gefolgt, die die meiste Zeit entlang des Flusses Düna verläuft. Die Strecke war recht ruhig und in gutem Zustand, so dass ich hier recht flott und problemlos vorangekommen bin. Unterwegs hatte man meist die Düna im Blick, aber auch viele kleine Seen, Felder und kleinere Waldgebiete. Nach knapp 150 Kilometern kam ich in Jekabpils an und musste etwas verdutzt feststellen, dass sämtliche Restaurants der Stadt bereits um 20 Uhr geschlossen hatten. Und nach Ankunft im Hotel, duschen, usw. war es bereits kurz vor acht. Glücklicherweise habe ich für die Fahrt immer Weintrauben und Würstchen oder Frikadellen dabei. Somit diente also der Rest meines Reiseproviants als Abendessen.

Am nächsten Tag bin ich dann an derselben Straße weiter bis Daugavpils (Dünaburg) gefahren. Da ich an dem Tag nur 120 Kilometer gefahren bin, war ich bereits gegen 17:30 Uhr dort. Dieses Mal wollte ich unbedingt etwas Ordentliches zu essen und nicht das Risiko eingehen, dass wieder alle Restaurants geschlossen sind. Die Sorge war aber unbegründet. Die Stadt ist deutlich größer als Jekabpils und zu essen bekommt man auch am späten Abend noch. Die Stadt besteht hauptsächlich aus hässlichen Plattenbauten, aber einige hübsche Jugendstilgebäude und vor allem Kirchen sind auch dabei.

Von dort bin ich dann Richtung Litauen aufgebrochen. Zunächst war die Straße noch in gutem Zustand. Als ich dann aber den letzten Ort auf der lettischen Seite durchfahren hatte, hörte der Asphalt auf und ich hatte wieder nur eine holprige, sandige Rüttelpiste vor mir. Sechs Kilometer später stand ich dann irgendwo im Nirgendwo vor dem Grenzschild.

Wiederum fünf Kilometer später kam dann der erste Ort auf der litauischen Seite, wo es dann auch wieder eine ordentlich befahrbare Asphaltstraße gab. Vom reinen Fahren her gefällt es mir in Litauen bislang am besten, da die Route immer an einer kleinen, abwechslungsreichen und vor allem nahezu verkehrsfreien Landstraße entlangführt. Es ist zwar teilweise etwas mühselig, da das Terrain hier sehr hügelig bzw. wellig ist, so dass es ständig hoch- und runtergeht, aber es macht auf jeden Fall viel Spaß die oftmals sehr kurvenreiche Strecke zu genießen. Wiesen, Felderlandschaften und Waldgebiete wechseln sich ab und immer ist irgendein schöner See nicht fern.

Auch das Hotel in dem ich gestern übernachtet habe, war herrlich direkt an einem See gelegen, wo ich abends nach einem guten Essen gemütlich an einem Holzsteg den Tag ausklingen ließ.

Heute ging es dann bei deutlich kühleren Temperaturen und stürmischem Wind weiter. Die Landschaft war ähnlich schön wie gestern. Zwischendurch zogen teilweise ziemlich heftige Schauer vorüber, aber den Großteil des Tages war es glücklicherweise trocken.

Ganz hübsch anzusehen sind die bunten Holzhäuser in den Dörfern, durch die man regelmäßig kommt. Auffällig finde ich jedoch, dass man dort meistens nicht einen einzigen Menschen sieht. Die Rasenflächen sind gemäht und die Gärten hübsch bepflanzt, so dass dort definitiv Leute wohnen. Man sieht aber nur selten jemanden.

2 Gedanken zu “Paberžė

  1. …lebendige und plastische Eindrücke aus einer eher dünn besiedelten Gegend Europas… einfach nur schön.. Weiterhin viel Spaß und Freude!!!

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Sebastian!
    Es macht mal wieder Spaß, anhand der schönen Beschreibungen und Fotos deinem Reiseverlauf zu folgen. Wir wünschen dir weiterhin viele „Belohnungen“ im Form von tollen Wegstrecken mit interessanten Anlaufpunkten, schönem Wetter, gutem Essen und behaglichen Nachtquartieren sowie netten Kontakten über die du uns weiter berichtest.
    Liebe Grüße, gute Weiterfahrt bei bester Gesundheit wünschen Dana&Rüdiger

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse einen Kommentar