Tannay

Auch nach La Coucourde bin ich immer weiter der Rhone nach Norden gefolgt. Wie auch in den Tagen zuvor war der Radweg hervorragend und verlief meist fernab von Autoverkehr durch die Natur. 

Nach einiger Zeit kam ich durch Valence. Vor zwei Jahren war ich bereits einmal kurz hier, konnte damals aber nichts Besonderes entdecken. Diesmal war ich auch in der Altstadt, wo es zwar nett und sauber war, aber etwas Erwähnenswertes habe ich auch dieses Mal nicht gesehen. Das schönste an der Stadt sind die vielen Parks.

Anschließend ging es weiter durch wunderschöne Natur und durch gemütliche Kleinstädte.

Wiederum etwas später erreichte ich Lyon, Frankreichs zweitgrößte Stadt. Sie liegt am Zusammenfluss von Saone und Rhone, so dass man ständig über diverse Brücken fährt. Nicht nur von der Größe, sondern auch von der Architektur erinnert vieles an Paris. Lyon hat viele interessante Ecken und hat mir sehr gut gefallen. An den Flussufern gab es viele Möglichkeiten zum Ausruhen.

Im Laufe des Nachmittags bewölkte es sich zunehmends und kurz nachdem ich den Campingplatz erreicht hatte, fing es an heftig zu regnen. Der Campingplatzbesitzer erzählte mir, dass für die Nacht heftige Gewitter mit Sturmböen angesagt waren. Er bot mir daher an mein Zelt in einem großen Militärzelt aufzubauen, das aus irgendwelchen Gründen auch auf dem Platz stand. Das habe ich dann auch getan und hatte trotz starker Gewitter eine ruhige und trockene Nacht.

Der nächste Morgen war zwar stark bewölkt, aber trocken, so dass ich ganz normal weitergefahren bin. Kurze Zeit später fing es aber wieder an heftig wie aus Eimern zu schütten. Leider waren meine Schuhe irgendwann völlig durchnässt und ich musste den ganzen Tag mit klitschnassen Füßen fahren. Inzwischen hatte ich die Vorläufer der Alpen erreicht. Durch die unterschiedlich dicken Wolkenschichten waren die Berge in ständig wechselnden Lichtverhältnissen zu sehen. 

Im Laufe des Tages wure das Wetter aber langsam besser bis schließlich sogar die Sonne wieder zu sehen war.

Den Abend verbrachte ich an einem herrlich gelegenen Campingplatz an einer vorübergehend sehr breiten Stelle der Rhone, wo der Fluss eher ein großer See ist.

Heute ging es dann noch etwa 35 Kilometer direkt am Fluss entlang, wo der Weg völlig flach war.

Danach ging es ziemlich bergauf und nun war ich mitten in den Alpen. Teilweise konnte man die Rhone noch von oben sehen. Meistens hatte man aber nur noch Berge um sich herum. 

Irgendwo in dieser Gegend erreichte ich die Schweiz. Es gibt keine sichtbare Grenze, nicht einmal ein Schild. Mir fiel nur in einem Ort durch den ich durchfuhr auf, dass alle Autos schweizerische Nummernschilder hatten und auch die Straßenschilder anders aussahen. Einige Kilometer später erreichte ich Genf. Ich bin die ganze Zeit dem Radweg gefolgt und war der Meinung, dass er mich früher oder später an irgendwelchen Sehenswürdigkeiten oder durch die Altstadt führt. Stattdessen ging es durch das völlig langweilige und nichtssagende moderne Zentrum bis die Stadt auf einmal schon wieder zu Ende war. Mein Internetempfang war so schlecht, dass ich nicht nach Sehenswürdigkeiten (und deren Standorten) suchen konnte. Ich hatte noch überlegt zurückzufahren und auf gut Glück in der Stadt herumzufahren, habe mich dann aber schweren Herzens dagegen entschieden. Direkt hinter der Stadt erreichte ich den Genfer See. Von meinem Standort aus hatte ich einen tollen Ausblick auf den See mit den französischen Alpen im Hintergrund. Unter anderem sah man den Mont Blanc, der auch jetzt Anfang August tief verschneit ist.

Mittlerweile bin ich 8604 Kilometer unterwegs. 

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