Von Novi Pazar aus bin ich weiter westwärts auf einsamen Landstraßen entlanggefahren. Die Strecke war, wie die Tage zuvor auch, sehr bergig und waldreich.
Nach etwa 40 Kilometern erreichte ich dann die montenegrinische Grenze. Der Grenzübertritt verlief schnell und unkompliziert. In Montenegro sahen die Berge noch wilder und schöner aus, da überall reißende Bäche und Schluchten zu sehen waren.
Das Land ist wirklich sehr bergig, was hier auch für die Straßen gilt. In Mazedonien gibt es ebenfalls viele Berge, aber dort winden sich die Straßen durch die Täler, so dass man die Berge nicht unbedingt hochfahren muss. In Südserbien und Montenegro ist das anders. Hier gibt es keine halbwegs flachen Passagen und mehrfach musste ich 20 Kilometer am Stück bergauf fahren. Oberhalb von 800 Metern wird es aber angenehm kühl, so dass die Anstrengungen recht erträglich sind. Übernachtet habe ich dann in Berane. Auch in Montenegro ist das Essen ähnlich großartig wie in Mazedonien und Serbien. Große, leckere Grillteller mit Pommes und jeder Menge frischem Salat. Genau das, was ich am liebsten esse!
Am nächsten Tag hieß das Ziel dann Podgorica, die Hauptstadt Montenegros. Die ersten 20 Kilometer bis Andrijevica ging es an einer sehr guten Landstraße weiter und dementsprechend zügig war ich dort.
Von dort musste ich nach Westen um nach Podgorica zu kommen. Es führte ein kleiner Weg den Berg hinauf, der zunehmend schlechter wurde. Nach einigen hundert Metern bestand der Belag nur noch aus losen Steinen und feinem Schotter. Dazu waren überall riesige vom Regen ausgewaschene Rinnen im Boden. Zusätzlich war es die meiste Zeit so dermaßen steil, dass ich hier beim besten Willen nicht mehr fahren konnte. Also habe ich mein Fahrrad den Großteil der 12 Kilometer langen Steigung hochgeschoben bzw. hochgewuchtet. Auf den lockeren Steinen bin ich auch ständig ausgerutscht. Das waren mit Abstand die anstrengendsten 12 Kilometer meiner Reise und ich habe über fünf Stunden dafür gebraucht. Die Natur dort war aber wunderschön.
Irgendwann hatte ich den Gipfel auf 1645 Metern aber erreicht. Die Abfahrt ging dann auch nur im Schneckentempo, da der Bodenbelag auf der anderen Seite des Berges genauso schlecht war. Irgendwann erreichte ich dann aber wieder eine asphaltierte Landstraße, allerdings war es da schon fast 18 Uhr und Podgorica war immer noch 70 Kilometer entfernt. Hotels oder Campingplätze lagen auch nicht auf dem Weg. Also bin ich erstmal so schnell ich konnte weitergefahren, um noch so viel Strecke wie möglich bei Tageslicht zu schaffen. Hier wird es zurzeit um 20 Uhr dunkel. Auf dem Weg kamen noch zwei Steigungen von jeweils 300 Metern. Als ich die zweite Steigung geschafft hatte, war es stockfinster. Ich stand auf einer einsamen Landstraße in den Bergen auf über 1200 Metern Höhe und nun kam eine 20 Kilometer lange Abfahrt bis auf Meereshöhe auf der engen, unbeleuchteten Serpentinenstrecke. Leitplanken gab es keine und direkt neben der Straße ging es hunderte Meter steil runter. Glücklicherweise kam ein schwer mit Holzstämmen beladener LKW vorbei, der die enge Straße nicht allzu schnell herunterfahren konnte. Dem bin ich dann die gesamte Abfahrt hinterhergefahren und habe mir so den Weg beleuchten lassen. Zwischendurch kamen immer wieder kleinere Dörfer, wo mich ständig Hunde angegriffen haben. Da es ja dunkel war, tauchten sie wie aus dem Nichts auf, liefen mir hinterher und bellten so laut sie konnten. Da sie aber immer nur den jeweils eigenen Hof beschützen wollten, liessen sie mich aber in Ruhe sobald ich ihr Revier durchquert hatte. Diese Hunde waren zwar nervig, aber nicht wirklich gefährlich. Diese Abfahrt werde ich sicherlich nie vergessen. Mit 40 bis 50 Stundenkilometern den Berg im Dunkeln herunterzurasen, immer darauf bedacht den LKW vor mir nicht zu verlieren, die vielen engen Kurven und ständigen Hundeattacken waren schon aufregend. Ein großartiges Erlebnis! Gegen halb zehn hatte ich dann Podgorica erreicht. Der Tag war zwar schon sehr anstrengend, aber auch unvergesslich.
Am nächsten Morgen habe ich dann in der Stadt sehr ausgiebig gefrühstückt und mir im Schnelldurchlauf etwas die Stadt angeschaut.
Durch das Stadtzentrum bin ich aber nicht direkt durchgefahren, so dass ich nur einen Teil gesehen habe. Danach ging es wieder in die Berge Richtung Küste. Es war wieder sehr anstrengend, aber die Straße war sehr gut.
Am Nachmittag konnte ich dann das Meer sehen. Ich hatte es durch die Berge geschafft und war nun an der Adria.
In Budva gibt es einen Campingplatz, wo ich dann eingekehrt bin. Am Abend habe ich mich zunächst an den Strand gesetzt und habe den Wellen zugehört. Anschließend bin ich die kilometerlange Strandpromenade entlangspaziert, wo sehr viel los war. Links und rechts gibt es überall Bars, Restaurants, Freiluftdiscos und alle möglichen Geschäfte. Hier war für jeden Geschmack etwas dabei.
Heute habe ich hier einen Ruhetag eingelegt, um mich von den Anstrengungen der letzten Bergetappen zu erholen. Am Nachmittag habe ich dann einen Spaziergang zur Altstadt von Budva gemacht.
Mit den engen Gassen sah alles sehr mittelalterlich aus und ich habe den Tag sehr genossen.
Mittlerweile bin ich 10064 Kilometer unterwegs.














Herzlichen Glückwunsch zur zum knacken der 5-stelligen Kilometerzahl und zum Absolvieren der spannenden Etappe!
LikeLike