Carentan

Gestern Morgen hat es leider immer noch geregnet, so dass ich keine Lust hatte mein klitschnasses Zelt einzupacken. Stattdessen habe ich erstmal ein Croissant und zwei Kaffee zum Frühstück vertilgt. Kurze Zeit später hat der Regen auch aufgehört und der Wind hat mein Zelt in kürzester Zeit getrocknet. Ich habe dann alles zusammengepackt und bin los. Etwas später als sonst, aber immerhin mit trockenen Sachen.

Zunächst ging es nach Deauville. Der Ort kam mir sehr gehoben vor, da sämtliche Häuser eher Villen waren. Dazu gab es eine Pferderennbahn und mehrere Casinos. Der Ort scheint eher etwas für mondäne Gutverdiener und Möchtegernverdiener zu sein. Die Architektur der Häuser war aber schon anders als bislang an der Küste. Danach kamen noch viele Orte, die relativ ähnlich aussahen.
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Es ging die meiste Zeit direkt an der Küste entlang. Die Orte waren sehr touristisch. Alles bestand zum Großteil aus Hotels, Restaurants und Souvenirläden. Dazu liefen unzählige Touristen herum, so dass man sehr vorsichtig durch das Getümmel navigieren musste. Es sah zwar schön aus, hatte aber einen absolut künstlichen Charakter. Schön waren die Abschnitte zwischen den Orten, wo alles naturbelassener war und man einfach ungestört die Landschaft genießen konnte.
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Ich bin immer wieder begeistert, wie farbenfroh der Ärmelkanal schimmert. Je nachdem wie die Lichtverhältnisse gerade sind, ändern sich auch die Farben des Wassers. Da es gestern sehr wechselhaft war und von Sonne, Wolken und gelegentlichen Schauern alles dabei war, konnte man alle Farbspektren beobachten.
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Da ich erst gegen Mittag losgefahren bin, bin ich gestern nur 73 Kilometer gefahren. Die Rezeptionen der meisten französischen Campingplätze sind bis 18 Uhr geöffnet und dementsprechend fahre ich hier auch nicht viel länger.

Heute bin ich dann in froher Erwartung weitergezogen. Die Wege führten zwar durch landschaftlich schöne Gegenden, allerdings waren sie entweder katastrophal oder gar nicht vorhanden. Meistens war es ein Trampelpfad direkt am Meer.
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Dafür hatte man aber auch immer wieder wirklich schöne Ausblicke.
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Nachdem ich mich an einer Stelle kilometerweit über einen Rüttelpfad gekämpft hatte, stand ich auf einmal vor einem verschlossen Eisentor mit Stacheldraht oben drauf.
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Da hieß es dann natürlich umkehren und nach einer Alternativroute suchen. Eine halbe Stunde und sechs gefahrene Kilometer später, war ich dann wieder an derselben Stelle, allerdings dieses Mal auf der anderen Seite des Tors. Teilweise musste ich durch hüfthohes Gras schieben. Aber sowas gehört einfach dazu. Wenn ich nur gute Straßen haben wollte, könnte ich einfach nur die großen Landstraßen entlangfahren, wie es diese Rennraddeppen machen. Die fahren zwar viele Kilometer, sehen aber dafür nicht viel. Ich mache hier meine eigene, bessere Tour de France beziehungsweise Tour d’Europe!

Später wurden die Straßen etwas besser und ich bin durch die Gegend gefahren, wo die Alliierten im zweiten Weltkrieg gelandet sind. Überall gibt es Hinweisschilder, Souvenirshops und Museen. Die Orte scheinen von nichts anderem als den Kriegserinnerungen zu leben. Omaha und Juno Beach sehen aber nicht anders aus als der Rest der Küste. Eher langweilig, da es hier keine Steilklippen gibt. Das ist dann aber auch nicht überraschend, denn welcher Feldherr schickt seine Armee schon Steilklippen hoch?
Am Nachmittag fing es mal wieder an zu regnen. Zunächst nicht stark, so dass ich normal weitergefahren bin. Gegen 17 Uhr hat es dann aber richtig geschüttet, was mich dann doch davon überzeugt hat nach 88 Kilometern den nächsten Campingplatz anzusteuern. Der Platz ist recht gut und eben war ich  in der dazugehörigen Bar und habe lecker gegessen und zwei köstliche belgische Leffe-Biere weggeschlürft. Leider ist gezapftes Bier überall in Frankreich unanständig teuer.

Ich bin gerade in einem Ort namens Carentan und theoretisch könnte ich meine Tour hier etwas abkürzen, da die nächsten etwa 200 Kilometer ein Rundkurs um die hiesige Halbinsel sind, was man auf der Karte in meinem ersten Blogeintrag sehen kann. Da ich aber wahrscheinlich so schnell nicht wieder in diese Gegend komme, habe ich beschlossen die lange Tour zu nehmen und mir alles anzuschauen, was die Route hergibt.

Ein großes Lob auch an mein Fahrrad, dass bislang auch die schlimmsten Rüttelpisten ohne Probleme durchgehalten hat!

7 Gedanken zu “Carentan

  1. Weiter so Wuschler !! fehlt nur noch schönes wetter !! hast du was an deinem fahrrad vorher gemacht ? oder bist du so einfach losgefahren ?

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    1. Wir sind die Eltern von Philipp Sommerfeld und lesen ihre Berichte mit großem Interesse.Auch wir haben in jüngeren Jahren ähnliche Reisen gemacht und haben auch die gleiche Denkweise. Die Welt hat sich inzwischen verändert und wir verstehen wenn jemand sich für die einfachen Dinge in der Natur begeistert. Weiter so und immer gut Luft auf den Reifen.
      Gutes Gelingen wünschen Marianne und Dietmar Sommerfeld

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