So, nun bin ich bereits 10 Tage unterwegs und trotz einiger kleiner Rückschläge bin ich noch voll motiviert und genieße die Reise in vollen Zügen. Nach 932 geradelten Kilometern bin ich zur Zeit in der Nähe von Brügge in Belgien.
Die Reise begann mit einem kleinen Schrecken. Nach ungefähr 30 Kilometern fiel mir auf, dass mein Handy aus meiner Hosentasche gerutscht war. Leider hatte ich keine Ahnung wo. Also bin ich wieder zurückgefahren in der Hoffnung das Handy zu finden. Ich hatte Glück im Unglück und irgendwann lag es einfach auf dem Weg. Allerdings musste ich dazu 12 Kilometer zurückfahren, was natürlich ein Riesenumweg war. Das war mir aber völlig egal, hauptsache das Handy war wieder da.
Dadurch, dass ich morgens eh recht spät los gekommen bin und diesen Umweg fahren musste, war ich dann nach 125 Kilometern erst mit der Dämmerung am Dümmer See. Die Rezeption hatte schon zu. Also habe ich einfach mein Zelt aufgebaut und letztendlich umsonst dort gecampt.
Den nächsten Tag ging es erst durch Osnabrück, wo ich eine durchschnittliche Currywurst und unglaublich schlechte Pommes gegessen habe. Danach wurde es recht hügelig. Die Berge waren zwar nicht hoch (250-300 Meter), aber zahlreich. Ständig ging es hoch und runter. Ich bin aber im Urlaub und nicht auf der Flucht, so dass ich ganz gemütlich im niedrigsten Gang die Berge hochgefahren bin. Es erinnerte mich landschaftlich stark an den Deister. Am Abend habe ich mich dann von meinem Navi zu einem Campingplatz führen lassen. Ich war sehr überrascht irgenwann vor einem etwa 100 Quadradmeter großen Wäldchen zu stehen und mein Navi meinte ich wär angekommen. Es stellte sich heraus, dass dort der Campingplatzbesitzer lebte. Der eigentliche Platz war zwar offiziell in der selben Straße und auch nur eine Hausnummer weiter, allerdings lag er doch drei Kilometer entfernt.
Den nächsten Tag ging es erst durch Münster. Die Stadt ist recht schnuckelig und hat teilweise sehr nette Radwege. Anschließend ging es über idyllische Feldwege Richtung Ruhrgebiet. Am Abend bin ich dann zu einem Campingplatz gefahren, der aber offiziell nur für Dauercamper mit Wohnmobil bestimmt war. Der Besitzer hat mich aber freundlicherweise auf dem Spielplatz zelten lassen und hat mich sogar auf zwei Bier eingeladen. Ein kleines Restaurant gab es dort auch. Es gab eine Riesenportion Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln und Salat.
Am nächsten Morgen hat mich der Besitzer noch zum Frühstück eingeladen. Anschließend ging es nördlich am Ruhrgebiet vorbei. Irgendwann habe ich dann zum ersten Mal den Rhein überquert. Man muss schon zugeben, dass der Fluss etwas größer und beeindruckender ist als die Leine. Entlang des Rheins gab es einen sehr schönen Radweg auf dem Hochwasserschutzdeich. Etwas später bin ich dann durch Duisburg gefahren. Die Stadt ist auf jeden Fall hübscher als ihr Ruf, auch wenn überall Baustellen waren, an denen man nur schwer vorbeikam.
Gecampt habe ich dann in der Nähe von Mülheim an der Ruhr. Der Platz war irgendwie komisch, da dort hauptsächlich feste Hütten standen, die für die Besitzer auch der Erstwohnsitz war. Ab und zu war eine Parzelle mit Rasenfläche für Zelte freigelassen. Dort habe ich dann auch meinen ersten Ruhetag gemacht, um Wäsche zu waschen.
Den nächsten Tag ging es erst nach Düsseldorf. Die Stadt war schön anzusehen, gerade mit dem Rheinpanorama, aber wirklich beeindruckt war ich nicht. Eine typische deutsche Großstadt. Danach ging es noch ein ganzes Stück durch die westdeutsche Provinz bis ich irgendwann in Holland war. Man merkt überhaupt nicht, dass man eine Grenze überquert. Erst als einige Straßenschilder auf Niederländisch waren, war mir klar, dass ich nicht mehr in Deutschland war. Ich bin dann durch Venlo gefahren. Abends kam ich dann an einem „Mini-Camping“ vorbei, wo ich dann spontan eingekehrt bin. Wie der Name schon sagt, war der Platz recht klein, aber schön gelegen, günstig und mit sauberen sanitären Anlagen.
Der nächste Tag ging leider nicht so gut los. Bei meiner ersten Pause ist mir der Fahrradständer abgebrochen. Dazu kam noch, dass mein Navi trotz eines Updates vor ein paar Wochen Holland und viele weitere Länder, durch die ich noch fahre, nicht im Speicher hatte. Ich musste also blind navigieren. Gegen Mittag kam ich dann durch einen Ort mit Fahrradladen. Dort habe ich zunächst einen neuen Ständer gekauft und dem Verkäufer von meinem Naviproblem erzählt. Er hatte zwar keine Ahnung von Fahrradnavis, hat mir aber freundlicherweise seinen Laptop mit einer schnellen Internetverbindung zur Verfügung gestellt. Ich habe dann festgestellt, was das Problem war. Der interne Speicher war voll. Glücklicherweise habe ich diverse SD-Karten dabei. Also habe ich eine eingelegt und sämtliche Straßenkarten aller für mich relevanten Länder heruntergeladen. In der Zwischenzeit hat der Verkäufer meinen neuen Ständer angebaut. Sehr netter Typ! Danach ging es einige Stunden durch einsame Wälder. Herrlich so alleine durch die Natur zu fahren und keinen Menschen zu sehen. Nur ein paar Rehe haben sich blicken lassen. Etwas später war ich dann etwas überrascht am Meer zu stehen.
Das war einer der Seitenarme der Nordsee, die hier recht weit uns Land ragen. Gegen Abend kam ich dann an einem edlen Campingplatz mitten im Wald vorbei. Die Rezeption hatte schon zu. Die hatten sowieso merkwürdige Öffnungszeiten: Täglich von 10 bis 12 Uhr. Ich habe dann die Nummer, die an der Tür stand, angerufen und eine nette Dame hat mir erklärt, wo ich mein Zelt aufstellen soll. Das habe ich dann getan und bin den nächsten Morgen ohne zahlen zu müssen weitergeradelt.
Es ging dann meistens an der Küste entlang bis ich in Vlissingen ankam. Dort habe ich dann die Fähre nach Breskens genommen. Man muss hier einen der bereits erwähnten Seitenarme der Nordsee überqueren. Die Schifffahrt war eine nette Abwechslung und hat richtig Spaß gemacht. Danach ging es weiter direkt an Stränden und Dünen entlang. Irgendwann habe ich mich gewundert, dass die Autos alle belgische Kennzeichen hatten. Ich war in Belgien! Die erste Stadt, die ich in diesem Land gesehen habe, war Knokke-Heist. Ich hatte vorher noch nie von dieser Stadt gehört, obwohl sie recht groß zu sein scheint. Die Uferpromenade war ewig lang, allerdings hatte ich einen sehr starken, peitschenden Gegenwind. Da es schon spät war, habe ich den nächsten Campingplatz angesteuert, der ungefähr 10 Kilometer weiter war. Nachdem ich mich durch den Sturm gekämpft hatte, war ich nur noch 2 Kilometer von meinem Ziel entfernt, als mir die Katastrophe bewusst wurde. Ich stellte fest, dass ich irgendwo seit Knokke-Heist meinen liebgewonnenen Schlafsack verloren habe. Also bin ich den ganzen Weg wieder zurückgefahren in der Hoffnung ihn wiederzufinden. Leider hatte ich diesmal kein Glück. Ich bin dann hochverärgert den ganzen Weg im heftigen Gegenwind wieder zum Campingplatz gefahren. Die Dame an der Rezeption hat mir netterweise einen alten Schlafsack ausgeliehen, den hier wahrscheinlich irgendjemand mal vergessen hat. Leider stellte sich heraus, dass es sich um einen Kinderschlafsack handelte, der mir natürlich viel zu klein war. Ich habe mich dann in der Nacht mit meiner Regenjacke zugedeckt. Zum Glück war es relativ mild.
Heute morgen bin ich dann als erstes zu Decathlon nach Brügge gefahren und habe mir einen neuen Schlafsack besorgt. Leider hatten sie nicht so ein tolles Modell wie ich es vorher hatte. Mein Schlafsack war nämlich ein 2-Jahreszeiten-Schlafsack, den man umkrempeln konnte. So hatte man dann einen Schlafsack sowohl für kalte als auch für milde Nächte. Mein neuer ist einfach nur warm und gemütlich. Perfekt für die nächsten Wochen, aber spätestens wenn ich in Zentralfrankreich bin, könnte er zu warm sein. Eventuell bestelle ich mir noch einen wie meinen alten und lasse ihn zu Frank an den Bodensee schicken. Mal schauen. Da ich heute sowieso schon in Brügge war, habe ich mir auch gleich die Altstadt angeschaut. Sehr schön, aber auch sehr touristisch. Überall Reisegruppen und belgische Chocolateries.
Ansonsten wasche ich heute mal wieder Wäsche und lade meine Akkus auf. Morgen geht es an der belgischen Küste weiter nach Frankreich.
Ich freue mich tierisch auf die kommenden Wochen, Kilometer und Landschaften.








Lieber Sebastian, das hört sich sehr interessant an und ich freue mich auf die nächsten Einträge. Mama
LikeLike
Moin!
Schön mal endlich ausführlich von deinen Abenteuern zu hören (lesen). Weiter so! Bin schon gespannt auf deine nächste Etappe. Und denk vlt. bitte bei interessanten Situationen/Motiven auch an die Fotos 🙂 Über die werden sich deine Leser bestimmt freuen 🙂
Gruß
LikeLike
Da ich bislsng nirgends WLAN hatte, habe ich den Text über die normale Mobilverbindung hochgeladen. Die Kosten sind hier recht hoch und werden kilobyteweise abgerechnet. Daher verzichte ich erstmal auf Fotos. Wir können uns gerne auf einen Fotoabend treffen, wenn ich wieder zu Hause bin.
LikeLike
Oh, ja, definitiv!
LikeLike
Brügge hast du jetzt gesehen, sterben musst du trotzdem noch nicht.
Ein schöner Bericht, habe ein paar mal geschmunzelt 😄
Gute Reise mein alter!
Weitermachen
LikeLike
Hallo Sebastian!
Das hört sich ja mal super an!
Mit Deinem Handy hast Du´s aber auch 🙂
Hab noch ne tolle Zeit…
Ich schau sicher noch öfter auf die Seite!
Gruß
LikeLike